So richtig Freude macht das Sicherheitsthema den
meisten Unternehmen nicht. Trotzdem steigen die
Budgets rasant, zumal die wachsenden Bedrohungen und
regulatorischen Zwänge Handlungsbedarf erzeugen. Die
Analysten von
Forrester Research haben in ihrer
Bestandsaufnahme für 2009 knapp 950
nordamerikanische und europäische Entscheider
befragt. Die Hälfte waren Topmanager aus dem
Vorstand, die andere Hälfte Entscheidungsträger aus
der IT. Hier ihre Antworten auf elf Fragen zum
Sicherheits-Status-quo.
Wie viel Geld geben Unternehmen für IT-Sicherheit
aus?
Im Jahr 2008 investierten Unternehmen weltweit 11,7
Prozent ihres gesamten Budgets für den IT-Betrieb in
Sicherheitstechnik und -services. Zum Vergleich:
2007 lag der Anteil bei 7,2 Prozent. 2009, so
schätzen die Analysten von Forrester, waren es sogar
12,6 Prozent.
Ist Sicherheit außerhalb der IT-Organisation ein
Thema?
Ja. Mehr als ein Drittel der
IT-Sicherheitsentscheider in Unternehmen berichten
an den Vorstand oder den CEO (Dotted Line). Ein
Fünftel wendet sich an ein Executive Committee.
IT-Sicherheit wird von den Vorständen, die alle
Sicherheitsrisiken für das Kerngeschäft im Griff
haben möchten, mit Interesse wahrgenommen. Dennoch
bleiben die meisten IT-Sicherheitsverantwortlichen
und -gruppen verantwortlich für die
Infrastruktursicherheit, das Threat- und
Vulnerability-Management, die Lauffähigkeit der
Systeme und Fragen der regulatorischen Compliance.
Was sind die Aufgaben der
Sicherheitsverantwortlichen?
In allererster Linie der Schutz der Daten. 90
Prozent halten dies für wichtig oder sehr wichtig,
während 86 Prozent die Applikations-Sicherheit und
84 Prozent Business Continuity beziehungsweise
Disaster Recovery nennen. Etwas weniger häufig
werden Threat-Management (81 Prozent) und Compliance
(80 Prozent) angeführt.
Ist Sicherheit nur ein Lippenbekenntnis?
Bis zu einem gewissen Grad ja. Wer
Sicherheitsinitiativen im Unternehmen zu
verantworten hat, bekommt oft nicht die
Aufmerksamkeit und die Ressourcen, die eigentlich
nötig wären. 70 Prozent der Befragten räumen ein,
dass andere Dinge fast immer Priorität gegenüber
Sicherheitsthemen haben. Die Folge sind zu viele
kurzfristige, taktische Aktivitäten. Außerdem
beklagen die Unternehmen einen dauernden Mangel an
finanziellen Mitteln und Personal.
Ist Security ein Outsourcing-Thema?
Der Zugriff entsprechender Dienstleister auf gut
ausgebildetes Personal und die Kostenvorteile machen
Managed Security Services zunehmend interessant.
Nicht immer kommt die Auslagerung von
IT-Sicherheitsthemen günstiger, aber sie verspricht
zumindest größere Kostentransparenz und
-kalkulierbarkeit. Viele Anwender überlassen
Dienstleistern bereits das Filtern von E-Mail- und
Web-Inhalten (siehe Beitrag: Das
E-Mail-Chaos beginnt im Kopf). In diesem Jahr
ist die externe Bewertung der IT-Systeme auf ihre
Verwundbarkeit hin ebenfalls ein Thema, darüber
hinaus auch das Monitoring der Log-files auf
Server-Ebene. Auch das
Inbetriebnehmen von Firewalls bereitet Firmen
Schwierigkeiten.
Wie halten’s Unternehmen mit Business Continuity
Management?
Geht es um Konzepte, um dauerhaft einen geregelten
Betrieb aufrechtzuerhalten, sehen die befragten
IT-Entscheider das größte Problem in einem zu
starken Fokus auf den Teilaspekt IT Disaster
Recovery - 39 Prozent der Befragten beklagen dies.
Unternehmen konzentrieren sich ihrer Ansicht nach zu
sehr darauf, die IT im Notfall wiederherstellen zu
können. Datenrettung und das Erneuern defekter
Infrastruktur reichen aber nicht aus. Mit 37 Prozent
beklagen fast ebenso viele die zu knappen Mittel,
mit denen sichere IT-Abläufe garantiert werden
können.
Einem Viertel ist nicht klar genug definiert, wie
eng oder breit das eigene Unternehmen Business
Continuity eigentlich definiert und wer zuständig
ist. Die fehlende Unterstützung und Akzeptanz durch
das Topmanagement wird zudem kritisiert, ebenso die
Tatsache, dass es oft kein formales Programm für
Business Continuity gibt. Bei 41 Prozent der
befragten Firmen sind die für den IT-Betrieb und die
Rechenzentren zuständigen Mannschaften auch für
Business Continuity verantwortlich. In jeweils gut
20 Prozent kümmern sich das operative Risk
Management oder die IT-Security-Verantwortlichen
darum.
Treiben die Security-Teams die Themen Identity
und Access Management?
Sicherheitsbedenken haben in den letzten zwei Jahren
dazu geführt, dass die Verwaltung von Benutzerdaten
und Zugangsberechtigungen in den meisten Firmen groß
geschrieben wird. Insgesamt 52 Prozent der befragten
Unternehmen bestätigen dies. Der zweite Faktor, der
Identity und Access Management treibt, sind
Compliance-Richtlinien. Dies Argument wird von
weiteren 22 Prozent der Befragten ins Feld geführt.
Trotz großer Bedenken hinsichtlich Kosten und
Komplexität ist zirka ein Fünftel der Anwender
dabei, entsprechende Techniken einzuführen. Vor
allem geht es Unternehmen in diesem Zusammenhang
darum, ein Enterprise Single Sign-on einzuführen. Im
Zusammenhang mit Identity und Access Management sind
Provisioning und Federation zentrale Themen.
Unternehmen möchten damit ihre Workflows und die
Benutzerverwaltung beschleunigen sowie
Authentifizierungsmöglichkeiten auf
Arbeitsgruppenebene schaffen.
Wie sichern
Unternehmen ihre Clients?
In der Vergangenheit lag vor allem der zentrale
Ansatz des Threat Management im Trend:
Endpunktsicherheit sollte über eine zentrale,
Web-gestützte Benutzeroberfläche hergestellt werden.
Inzwischen interessieren sich Firmen jedoch mehr für
Endpoint-Datenschutztechniken wie Full Disk
Encryption, bei der sämtliche Daten eines
Datenträgers verschlüsselt werden, oder File-Level
Encryption, wo einzelne Dateien oder Directories vom
File-System selbst verschlüsselt werden. Mehr Zulauf
bekommen auch Data Leakage Prevention (DLP) und
Endpoint-Kontrolle.
Ersteres hilft zu verhindern, dass Daten
unerlaubterweise das Unternehmen verlassen.
Zweiteres ermöglicht, Schwachstellen an verwalteten
(und nicht verwalteten) Endgeräten zu erkennen und
zu beheben. Investitionen in die Client-Sicherheit
fließen zunehmend in solche Datenschutztechniken.
Zwischen dem jeweils dritten Quartal 2008 und 2009
investieren 22 Prozent der Befragten in
Verschlüsselungstechniken, 18 Prozent in
Endpunktkontrolle und 16 Prozent in
Präventivmaßnahmen gegen unerwünschten Datenabfluss.
Und wie steht’s mit der Anwendungssicherheit?
Geht es um Angriffspunkte und Sicherheitslücken in
Anwendungen, haben die IT-Sicherheitsorganisationen
in 65 Prozent der Fälle den Hut auf. Eine ebenso
große Gruppe sagt, Applikationsschwachstellen hätten
ein hohes Risikopotenzial. Entsprechend steigt
gegenwärtig die Nachfrage nach
Application Firewalls,
Testing- und
Scanning-Tools. Die Verbreitung von
Penetrationstests und Sicherheitsberatung rund um
Anwendungen ist geringer, aber gleichwohl ebenfalls
im Steigen.
Dauerthemen: Die Kosten und deren Rechtfertigung.
Investitionen in IT-Sicherheit sind eine
Herausforderung, bringen aber nur bedingt
unmittelbaren Geschäftsnutzen (etwa wenn Spam-Mails
reduziert und die E-Mail-Korrespondenz optimiert
wird). Aus Sicht der Vorstände sind sie daher ein
notwendiges Übel. Kein Wunder das knapp die Hälfte
der Befragten sagt, das Aufwands- und
Rechtfertigungsthema sei besonders schwierig. Zu den
Top-Herausforderungen zählen außerdem 36 Prozent der
Befragten die Komplexität der Architektur und der
internen Standards (35 Prozent). Die
Datensicherheitstechniken, die meisten zum Einsatz
kommen, sind E-Mail- und SAN-Verschlüsselung. Die
Sicherheitstechniken, die als nächstes pilotiert
oder eingeführt werden sollen, sind Data Leakage
Prevention (21 Prozent), Application Encryption
Platforms (19 Prozent) und Enterprise Key Management
Solutions (19 Prozent).
Wie entstehen Kaufentscheidungen im
Security-Umfeld?
Der Einfluss von Personen aus dem persönlichen
Netzwerk und Freundeskreis entscheidet in 79 Prozent
aller Fälle über IT-Sicherheitsinvestitionen. Nahezu
ebenso wichtig sind Publikationen (77 Prozent) und (Industrie-)Veranstaltungen
(74 Prozent). Die Unternehmen vertrauen
einschlägigen Websites von unabhängigen Quellen wie
von Herstellern.